Wenn ich zurückblicke, sehe ich kein Band aus Orten, das mein Leben zusammenhält, sondern eine Spur aus Übergängen. Ich war nie jemand, der Wurzeln schlug. Das Wort „sesshaft“ bedeutete für mich immer Stillstand, ein Schwere, die mit der Erde verbunden ist, auf der man zu lange verweilt. Ich mochte das nie. Orte waren für mich nie Heimat, sondern Pausen im Gehen.
Viele Menschen finden in der Dauer Trost. In der Wiederholung, in den vertrauten Wegen zwischen Haus, Arbeit und Nachbarn. Ich finde ihn in der Möglichkeit, jederzeit aufzubrechen. Andere sprechen von Heimat, wenn sie an den Ort denken, an dem ihre Familie seit Generationen lebt. Für mich ist Heimat kein Ort, sondern ein Zustand. Sie liegt dort, wo mein Herz wohnt – eben dort, wo mein Rucksack steht.
Ich habe dennoch immer Orte gebraucht, an denen ich verschwinden konnte. Nicht, um der Welt zu entkommen, sondern um ihr wieder begegnen zu können. Orte, an denen ich für ein paar Stunden niemand bin, der etwas leisten oder erklären muss. Ein einsames Fleckchen Welt, an dem ich gewiss alleine war, an dem am Abend keine Spaziergänger vorbeikamen, deren neugieriger Blick mich streift. Diese Orte waren immer eine meiner Strategien, mit der Welt zurecht zu kommen. Orte, an denen ich aus der Welt falle, ohne verloren zu gehen.
Früher fand ich solche Orte leicht. Irgendwo am Rand der Stadt, ein Stück Wiese, am See, ein stilles Wäldchen. Hier in den Alpen war das lange anders. Diese Berge, so schön sie sind, tragen schwer an der Last ihres eigenen Versprechens, ihrer eigenen Bedeutung. Jeder Winkel ist gezähmt und reguliert, jeder Weg markiert und prämiert, jeder Aussichtspunkt beschrieben und fotografiert. Schönheit ist hier kein Geheimnis, sondern ein Versprechen, das vermarktet wird. Man lebt in einer Landschaft, die zugleich Postkarte und Bühne ist. Selbst die Stille ist hier ein Angebot, ein Produkt. Wer sich dennoch nach einem stillen Ort sehnt, muss weit gehen.
Durch Zufall - wie denn auch sonst - fand ich dann, nach sieben Jahren, endlich auch hier mein Fleckchen Welt, meinen Rückzugsort, meinen Fluchtpunkt. Dort gibt es ein Bächlein, ein Stück ebene Wiese, und einen wundervollen Schlafbaum mit tiefhängenden Ästen, unter dem es richtig gemütlich ist. Weiter hinten wird es still, da kommt niemand vorbei. Vorne zieht sich noch ein Wanderweg entlang, aber dort hinten, wo ich liege, wäre es ein großes Hallo, sollte sich jemals jemand dorthin verirren. Manchmal denke ich, dass diese Orte nicht gesucht werden wollen. Sie finden sich, wenn man aufhört zu suchen.
Ich sitze dann dort, höre das Wasser, das Gras, das Rauschen des Windes im Laub. Nichts Spektakuläres, kein erhabener Ausblick - keine Inszenierung. Vielleicht ist es das, was mich immer wieder hinauszieht: der Wunsch, für einen Augenblick Teil dieser unaufgeregten Gegenwart zu sein. Und wenn ich dann wieder aufbreche, den Rucksack schultere, den Pfad zurückgehe, ist es, als trage ich etwas von dieser Stille mit mir – nicht als Besitz, sondern als Erinnerung daran, dass es sie gibt: die Welt, wie sie ist, wenn niemand hinsieht.
Ein Café, das geschlossen bleibt, wenn das Wetter zu schön ist. Ein Mann, der lieber fischen geht, als zu arbeiten. Ein Rhythmus, der nicht den Erwartungen der Welt gehört.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich kein Band aus Orten, das mein Leben zusammenhält, sondern eine Spur aus Übergängen. Ich war nie jemand, der Wurzeln schlug. Das Wort „sesshaft“ bedeutete für mich immer Stillstand, ein Schwere, die mit der Erde verbunden ist, auf der man zu lange verweilt. Ich mochte das nie. Orte waren für mich nie Heimat, sondern Pausen im Gehen.
Viele Menschen finden in der Dauer Trost. In der Wiederholung, in den vertrauten Wegen zwischen Haus, Arbeit und Nachbarn. Ich finde ihn in der Möglichkeit, jederzeit aufzubrechen. Andere sprechen von Heimat, wenn sie an den Ort denken, an dem ihre Familie seit Generationen lebt. Für mich ist Heimat kein Ort, sondern ein Zustand. Sie liegt dort, wo mein Herz wohnt – eben dort, wo mein Rucksack steht.
Ich habe dennoch immer Orte gebraucht, an denen ich verschwinden konnte. Nicht, um der Welt zu entkommen, sondern um ihr wieder begegnen zu können. Orte, an denen ich für ein paar Stunden niemand bin, der etwas leisten oder erklären muss. Ein einsames Fleckchen Welt, an dem ich gewiss alleine war, an dem am Abend keine Spaziergänger vorbeikamen, deren neugieriger Blick mich streift. Diese Orte waren immer eine meiner Strategien, mit der Welt zurecht zu kommen. Orte, an denen ich aus der Welt falle, ohne verloren zu gehen.
Früher fand ich solche Orte leicht. Irgendwo am Rand der Stadt, ein Stück Wiese, am See, ein stilles Wäldchen. Hier in den Alpen war das lange anders. Diese Berge, so schön sie sind, tragen schwer an der Last ihres eigenen Versprechens, ihrer eigenen Bedeutung. Jeder Winkel ist gezähmt und reguliert, jeder Weg markiert und prämiert, jeder Aussichtspunkt beschrieben und fotografiert. Schönheit ist hier kein Geheimnis, sondern ein Versprechen, das vermarktet wird. Man lebt in einer Landschaft, die zugleich Postkarte und Bühne ist. Selbst die Stille ist hier ein Angebot, ein Produkt. Wer sich dennoch nach einem stillen Ort sehnt, muss weit gehen.
Durch Zufall - wie denn auch sonst - fand ich dann, nach sieben Jahren, endlich auch hier mein Fleckchen Welt, meinen Rückzugsort, meinen Fluchtpunkt. Dort gibt es ein Bächlein, ein Stück ebene Wiese, und einen wundervollen Schlafbaum mit tiefhängenden Ästen, unter dem es richtig gemütlich ist. Weiter hinten wird es still, da kommt niemand vorbei. Vorne zieht sich noch ein Wanderweg entlang, aber dort hinten, wo ich liege, wäre es ein großes Hallo, sollte sich jemals jemand dorthin verirren. Manchmal denke ich, dass diese Orte nicht gesucht werden wollen. Sie finden sich, wenn man aufhört zu suchen.
Ich sitze dann dort, höre das Wasser, das Gras, das Rauschen des Windes im Laub. Nichts Spektakuläres, kein erhabener Ausblick - keine Inszenierung. Vielleicht ist es das, was mich immer wieder hinauszieht: der Wunsch, für einen Augenblick Teil dieser unaufgeregten Gegenwart zu sein. Und wenn ich dann wieder aufbreche, den Rucksack schultere, den Pfad zurückgehe, ist es, als trage ich etwas von dieser Stille mit mir – nicht als Besitz, sondern als Erinnerung daran, dass es sie gibt: die Welt, wie sie ist, wenn niemand hinsieht.
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