Nähen mit Tyvek
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Nähen mit Tyvek

Erst einmal vorweg: Tyvek ist eine Markenbezeichnung des Herstellers DuPont für eine bestimmte Materialart. Da Tyvek in seinen Eigenschaften einzigartig ist, möchte ich diesem Material einen Text widmen.


Es ist noch nicht lange her, da hielt ich zum ersten mal bewusst Tyvek in der Hand. Ich befühlte das Material staunend und erinnere mich, dass sich in meinem Kopf zahlreiche Fragen formten. "Was bitte ist das?", war die drängendste dieser Fragen. Die Antwort, die ich bekam, war so etwas wie: "Das ist Papier aus Plastik". Noch immer finde ich diese Beschreibung passend. Und noch immer bin ich völlig überrascht über die Haltbarkeit dieses unscheinbaren Materials. Wer hin und wieder auf Festivals oder Konzerten unterwegs ist, kennt die Herausforderung sich nach der Party einhändig das Eintrittsarmband vom Arm zu knibbeln, was meist nur mithilfe einer Schere möglich ist. Diese Armbänder sind häufig aus Tyvek oder vergleichbarem Material.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es zwei Arten von Tyvek gibt: Die eine ist eher hart und papierartig (Tyvek Dry), die andere weich und stoffartig (Tyvek Soft). Die Grundlage des Materials (Spinnvlies aus Olefin) ist in beiden Fällen die Gleiche, die Verarbeitung macht den Unterschied. Ich habe für meine Projekte bisher Tyvek Soft genutzt. Haptisch ist dieses weiche Tyvek eine Mischung aus Papiertüte und sehr dünnem Schaumstoff. Das Material hat eine deutlich erkennbare Struktur, die sich auf Vorder- und Rückseite unterscheidet. Erhältlich ist Tyvek in weiß. Da es ähnlich wie Papier bedruckt werden kann, wird Tyvek inzwischen zwar auch bunt angeboten, wer jedoch günstige Materialen für MYOG-Projekte sucht, wird beim klassisch weißen Tyvek fündig. Zusätzlich besitzt das Material wasserabweisende und atmungsaktive Eigenschaften und es ist sehr leicht (59g/m2 bzw. 43g/m2).

Die Verarbeitung von Tyvek braucht etwas Gewöhnung, es lässt sich dann aber im Prinzip wie Stoff vernähen. Da das Material sehr rutschig ist, sollte vor allem das Nähtempo reduziert werden. Hin und wieder wird empfohlen, neben den Transporteur Malerkrepp oder anderes Papierklebeband anzubringen. Ich habe das bisher nicht gemacht und bin gut zurecht gekommen. Eine feine Nadel ist sinnvoll, sowie eine angepasste Stichlänge. Da das Nähen das Material perforiert, ist eine größere Stichlänge zu empfehlen. Der Hersteller DuPont empfiehlt zwei bis drei Stiche pro Zentimeter. Auf diese Weise würde das widerstandsfähigste Ergebnis erzielt werden und gleichzeitig eine Perforationslinie vermieden.

Da das Material von der Rolle weiß und glatt daherkommt, muss man zunächst die eigenen Skrupel überwinden, das Material zu knüllen, um es zu vernähen bzw. dann am Ende zu wenden. Sind diese Widerstände erst einmal überwunden, macht es geradezu Spaß, aus der ursprünglich sterilen Oberfläche eine Optik von geknülltem Papier zu erzeugen. So lässt sich dann aus Tyvek der eine oder andere Foodbag, ein Säckchen für Heringe oder sogar ein Lenkdrache produzieren.

Das Material lädt außerdem dazu ein, Prototypen für aufwendigere Projekte herzustellen oder einen Schritt weiter zu gehen und Tyvek für die Konstruktion von Zelten zu nutzen. Aufgrund der Materialeigenschaften und des günstigen Preises lassen sich auch Zelte in größerer Stückzahl produzieren, um so zum Beispiel von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen Zufluchtsorte zu verschaffen oder Wärmezelte für Volksküchen zu bauen. Nähanleitungen dazu gibt es verschiedene im Netz oder demnächst hier bei uns. So lässt sich mit einem Markenprodukt ein wertvolles Zeichen der Solidarität setzen.

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Townday Tyvek MYOG